TEXTANALYSE MIT SYSTEMISCHEM LESEN
wegner, bernd (ws 96/97): script analysis 1. s.1f
18.11.06
0) vorbereitung:
ergänzungen (birte):
* ist das script vom professor selbst geschrieben, oder eine studentische mitschrift?
* verwirrung durch abwesenheit von doppelpunkten als gliederungshilfe
* kaum strukturierung (nicht def: sondern kursiv gesetzt und das nicht mal konsequent)
* merkwürdige betonungen (erst fließtext und dann absatz, z.b. bei
x (element) M
* mengenklammern {} verswchwinden bei der einführung im fließtext
* kaum kontextualisiert (außer: hinweis auf literatur)
* späte inhaltliche wiederaufnahmen (z.b. teilmengen)
1) was ist systemisches lesen?
* hörendes lesen: auf rhythmus achten; hörbuch statt buch
* rhythmus = summe aller sprachlichen elemente, die den sinn gliedern
* rhythmus durch den text, den sprecher (also leser?) und die situation gegeben
* im text als textsubjekt, weil dort statisch (im gegensatz zum sprecher
oder der situation)
* der text legt einen rhythmus nahe und schließt andere aus
* daher: man kann von sinnaktivität sprechen
* text macht etwas mit dem leser
ergänzungen (birte):
* systemisches lesen ist nicht neu, aber bisher nie so genannt
* auch nicht dekungsgleich, aber daher: mit der idee gut leben können
2) aufgabe: den text systemisch lesen
dies durch inneres lautes lesen, bzw. inneres deklamieren
3) ist systemische lesen anwendbar?
ja, denn:
* es wird klar was die formeln tun, wenn man sie versprachlicht (z.b. ...das
x emelement von ihr ist, etc., wollen wir durch das symbol element: x element
m ausdrücken...)
* der kontrast formel text, aber auch deren zusammenhang wird klar
* formeln werden aber teilweise auch obsolet (s.o.)
(doppelung durch das umsetzen des formelgehalts in sprache)
* der beweis kann nicht systemisch gelesen werden, denn: es kommt sehr oft und
vor, es gibt keine klammerung (bzw. absätze als klammerung). daher kann man
ihn zwar lesen, aber den sinn nicht erfassen
* frage: wäre der beweis besser systemisch lesbar, wenn er durch absätze
strukturiert worden wäre? - ja, dann könnte man ihn begreifen, den sinn
extrahieren.
* frage: was ist dann der unterschied zum nicht-systemisch lesen an der stelle?
(begriffen haben wir ihn alle, beim ersten lesen, obwohl die unstrukturiertheit
bemängelt wurde) beim systemischen lesen wird nicht schritt für
schritt dekodiert, es ist daher keine sinnentnahme möglich, weil keiner im
rhythmus steckt, besser: der rhythmuss des textes ist hier unsinnig. beim nicht-systemischen
lesen wird dagegen zeichen für zeichen dekodiert.
* ausserdem: [A => B und C => D] ist nicht eindeutig: [A => (B und C)
=> D] oder [A => (B und C => D)] (als protokollantin weiß ich das
gegebene beispiel nicht mehr, denke mir daher ein eigenes aus, in dem versuch
mich zu erinnern)
* notationen (definitionen) werden hervorgehoben, formeln auch (durch einrückungen)
* nicht konsequent: z.b. kartesisches produkt wird definiert aber nicht hervorgehoben
* wichtige erkenntnisse werden nicht hervorgehoben, dafür aber das primzahlenbeispiel
*fazit: inkonsequent und nicht gut strukturiert und hervorgehoben
ergänzung (birte):
* sätze haben harte brüche
* so auch: erkenntnisse aneinander gereiht (x element M. dann gleicheit. an der
stelle: bruch)
* einspruch: das baut prima aufeinander auf.
* einigung: das baut zwar inhaltlich aufeinander auf, aber nicht sprachlich. überleitungen
werden gefordert
* rhythmische bewegung ist aufgefallen
z.b. auch brakes und rauf und runter in der bewegung
* dies sind fragen die man stellen kann, und den fokus drauf legen kann
* z.b. um weiche übergänge zu haben, die ein gebiet umschließen
* für definieren gibt es viele formulierungen. es entsteht der
eindruck: ein anderes wort gewählt, um schön zu machen
* einwand: sicher gibt es viele wendungen, diese sind aber dennoch sehr begrenzt
(modul-artig)
* immer bei mengenoperationen gestolpert und gestoppt kurze sätze
* viele relativsätze (eingeschobene relativsätze)
* infinitiv mit zu
* transferleistung: symbole in sprache fassen
diskussion:
* es ist bemerkenswert, dass das geht (formel in sprache fassen)
* aber auch toll, dass es symbole gibt
* vielleicht besser verständlich und behaltbar, wenn man symbole versprachlicht
* das könnte daran liegen, dass bilder und begriffe verschiedenen wahrnehmungen
sind
* sind symbole von ihren begriffen trennbar?
* rechnungen passieren auch bildlich mithilfe von verschiebungen etc.
* rechnungen brauchen aber regeln
* diese können aber auch verbildlicht sein (z.b. kürzen)
* idee: durch routine entsteht bildliche regel
* auswendig können heißt nicht-versprachlichen
* beweise können ohne versprachlichung geführt werden
* einwand: 6+6 wird nicht versprachlicht (schon aus zeit-gründen), schwierige
beweise aber schon
* symbole können auch in bilder umgesetzt werden (z.b. topologie)
* frage: braucht man für verbildlichung versprachlichung?
* an der tafel wird zu beweisen etwas erklärt, daher ist versprachlichung
guter ansatz. in schriftsprache verschrumpft der beweis
4) was macht der text, wie macht er es?
einrückungen, fettschreibungen, mathematische symbole
ergänzungen (birte):
* der text nimt anfangs an die hand (z.b. wir)
* bei einführung der {} (die fallen vom himmel): nicht mehr wir,
nur noch man. folge: text nimt nicht mehr an die hand
* text vermittel: ich kann dir alles sagen, du findest alles in mir
diskussion:
* wir vereinnahmt aber auch
* statt findet man in der literatur ginge auch findet ihr in
der literatur
* an der stelle kommt kontext ins spiel, dass will er aber gar nicht (der text
weiß ja alles), daher man
* der gedanke wird damit zugemacht
* keine fußnote
* mengenoperationsstelle: these: die letzten drei sätze fangen mit f an.
dies ist ein verweis (an dieser stelle gebe ich als protokollantin zu nix verstanden
zu haben, vielleicht ging es um das für als klammerung, die das
ferner umschließen?)
5) ist das was der text macht sinnaktivität?
wo ist der unterschied zwischen das, was der text macht und sinnaktivität?
birte:
* was der text macht kann als sinnaktivität gefasst werden (bsp: im beweis
geht der sinn auseinander, dadurch wie der text ist)
* der text ist überzeugt von sich. dass er nicht auf rhythmischen zusammenhalt
achtet, ist ihm (dem text) egal.
* frage: ist das eine eigenschaft des textes, oder von mir (dem leser)? - nicht
nur der leser
* der text lässt mich los, wenn es ein bisschen schwerer wird
diskussion:
* vielleicht ist die zweite seite von jemanden anderes geschrieben, als der rest.
* nochmal: ist das eine texteigenschaft und nicht vom leser abhängig?
6) aus welchen werten im sinne saussures setzt sich der text zusammen? wie wirken diese im text?
definitionen und mathematische sätze sind werte (dies wurde mit hilfe der
einführung in systemisches lesen erarbeitet)
7) welche performativen sinndimensionen werden dadurch erzeugt? und 8) wie?
* es entsteht der eindruck, dass der vermittelte inhalt einfach ist
* wiederholungen (symbole wie element und =) sind die
dinge besonders wichtig?
ja, hier entsteht eine gewichtung
* einrückungen (oder auch nicht) wichten. z.b. kartesisches produkt, {},
primzahlenbeispiel
diskussion:
* beweis ist nicht strukturiert, daher als pflichtübung gewertet?
* alles was schon gesagt wurde wird im weiteren als bekannt vorausgesetzt, und
muss nicht wieder erwähnt werden (z.b. im beweis wird nicht gesagt, dass
erst die eine inklusion, dann die andere gezeigt wird und weil beide gelten die
mengen gleich sind)
* der text ist zu kurz um eine haltung des textes festzumachen
* bekanntes wird vorausgesetzt ist ein häufig zu findendes schema
bei mathematischen texten
ergänzung (birte):
* eine haltung entsteht auch durch auslassung
* definitionen sind nicht klar abgetrennt, dies erzeugt eine wirkung von unstrukturiertheit,
aneinanderreihnung, trivialität
9) welche überschneidungen gab es bei bearbeitung der fragen?
keine: im strang 1 (fragen 1-5) wurden eujektive eindrücke aufgenommen, im
strang 2 obektive
12) (wegen der fragenstruktur sind die anderen obsolet) aussagen über den text:
* nicht konsequent
* textstellen sind uneindeutig und verwirrend
* einzelne textstellen bauen gut aufeinander auf
-> teilweise strukturiert, teilweise unstrukturiert
* mit unserem mathematische wissen: genau da wo es wichtig ist (im beweis) wird
kein sinn transportiert
13) welche sind spezifisch für mathematische texte?
kann man alles auch in anderen texten finden (z.b. begriffserläuterungen nicht konstistent)
diskussion:
* hervorhebung von formeln ist typisch für mathematische texte
* dies gibt es aber auch in anderen texten (z.b. in bioogischen, oder im faust)
* speziell ist, dass formeln satzteile sind (nicht wie z.b. abbildungen), bei
weglassen der formeln macht der ganze satz keinen sinn mehr
* zweck der hervorhebung der formeln könnte sein, dass man sie schnell wiederfindet
und rauspicken kann.
14) neue erkenntnisse beim aufschreiben von 13? - nein
15) bewertung der ergebniss im hinblick auf das verstehen mathematischer texte
* konsequentes einrücken und strukturieren empfielt sich
* dinge die gleich sind auch als gleich hervorheben (z.b. einheitliche definitionen)
* erkenntnisse der analyse sind relevant, haben den blick geschärft und können
verwendet werden
* können zur lesbarkeitsverbesserung verwendet werden
16) ist systemisches lesen anwendbar?
* systemisches lesen ist anwendbar
* im beweis: systemisches lesen hat fehler sichtbar gemacht