INTERVIEWS ZUM TEXTUMGANG INNERHALB DER MATHEMATIKKULTUR
annette, franzi, julia
1. auswertung des live-features - aus dem protokoll heraus. stichpunkte. birte.
ALLGEMEINES
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die befragten gaben in ganz verschiedenen fragen überraschend antworten zum thema
'was ist ein guter mathematischer text' und 'was ist mathematik für mich' usw.
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allgemein zogen sich bestimmte schemata bei den einzelnen durch, beispielsweise bei dem professor, dem mathematik strukturwissenschaft ist, die betonung auf die strukturierheit der texte. für ihn spiegelt sich die struktur der mathematik seit nicolas bourbaki auch in den texten wieder - und daran sei zu feilen.
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ob ein text ein guter text ist, geht nur in der rückschau
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die befragten verstrickten sich in widersprüche, sowohl innerhalb einer antwort als auch im verlaufe des interviews
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viel feststellungen, wie: 'grafiken sollen da vorkommen wo sie gebraucht werden', also unkonkrete angaben
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was an einem guten mathetext schön ist: ein komplexes problem wird einfach gelöst.
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unsicheres gehört in den ausblick - das heißt in den schluss und ist nicht eigentlicher teil der publikation als der mathematischen arbeit also der mathematik.
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bei der frage, was mathematische texte von anderen fachtexten unterscheidet, wurden unterscheidungen ausschließlich aus der perspektive der mathematichen texte formuliert. spannendes markmal: mathematische texte müssen sich nicht auf autoritäten berufen. ist das so? und: in mathematischen texten kommt nur mathematische sprache vor, das ist in anderen fachtexten nicht so.
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bewertung war unklarer begriff, dass wertungen in mathematischen texten vorkommen wie 'wie leicht zu sehen ist ..' wurde nicht angeführt
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interessant: formeln sollen als zeichenkette und nicht als text in den text gebaut werden - für die fortgeschrittenen.
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these: texte funktionieren weil sie durchreferenziert sind: texte sind leicht zu lesen, weil klar ist, was wichtig ist. zustimmung?
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these: grafiken, die komplizierte sachverhalte scheinbar einfach darstellen, können den eindruck erwecken, dass die materie leicht ist. zustimmung?
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formeln sind satzteile
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die kommunikation mit anderen klappt nicht
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es gibt wurzeln wo die probleme herkommen
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in der philosophie und sind informationen meinungen; in der mathe nicht, da wird objektives verhandelt
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diskussionen sind sachlich zu führen und zwar in der sprache der mathematik
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in sozialwissenschaften werden fakten, die verhandelt werden, ausgewählt. in der mathematik nicht.
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ist die autorin als subjekt im text präsent, bietet sie angriffsfläche
in der informatik verschwindet die angriffsfläche, weil die autorin in der sprache der informatik schreibt
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wir brauchen keine alten texte zu lesen
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latex ist zu vermeiden weil es langweilig ist: alle schreiben in latex. ?
CHARAKTERISTISCH FÜR MATHEMATISCHE TEXTE IST / SIND
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das starre gerüst aus definition satz beweis
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die formeln
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der formale beweis
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der kleine wortschatz
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brauchen sich nicht auf autoritäten zu berufen und haben deswegen kaum fußnoten
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nur in der sprache mathematik verfasst
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in latex geschrieben
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schwarz weiß
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haben wenig grafiken
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durchnummeriert
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fußnotenarm
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zitatarm
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gelegentlich quellenarm
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smiley / comics kommen nicht vor
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mathetexte nicht wertefrei: 'eleganz' ist kriterium, durch die gliederung 'lemma satz theorem' wird gewertet
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praxisfern
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die autorin verschwindet hinter der allgemeinheit
autorin ist in der präsentation präsent nicht im inhalt (!)
KRITERIEN FÜR 'GUTE' MATHETEXTE - AUS DEM LIVE-FEATURE KONDENSIERT
was ein guter mathetext hat
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gerüst: 'definition satz beweis', gelegentlich herleitungen die aus dem starren ausbrechen
axiomatische methode
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abstract - das die methoden nicht vorstellt
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einleitung - ist appetizer und formuliert, was im text passiert, aber 'überflüssiges' ist zu vermeiden.
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schluss, hier haben ausblicke ihren platz, die aber nicht eigentlicher teil der publikation als der mathematischen arbeit also der mathematik sind
der schluss schaut, ob der text einlöst was er sich vornahm - reflexion
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gliederung:
kapitel (maximal 3 unterkapitel), die ihre ziele formulieren
formeln werden in die texte gegliedert (kriterium für das funktionieren des textes!), sie sind satzteile
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layout und zwar latex-layout - dass die struktur der formeln und den platz, den die formeln im text haben, unterstützt
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die konventionelle notation, die leicht zugänglich gebraucht wird
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saubere zitate und quellenangaben, quellen tauchen da auf, wo etwas vorkommt, was nicht konsens ist
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'gute' beispiele
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sätze haben entweder nummern oder namen bekommen (stilfrage?) und so referenziert werden
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grafiken und zwar da wo sie 'gebraucht' werden
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wenig fußnoten (sind zu vermeiden / sind nicht erlaubt)
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wenig zitate, können den text auflockern
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keine smiley / comics, können den text auflockern
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gegenbeispiele (gelegentlich) als didaktisches mittel
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keine extra erklärungen, wenn er gut ist
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anekdoten (gelegentlich, nicht notwendig) - sie können den text rhythmisieren,
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skizzen - die sind service -> leserinnenfreunlichkeit!
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aufgaben (gelegentlich in lehrbüchern: dort wichtiges als didkatiches element)
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zielgruppenorientierte und stilbedingte länge
beispiele: kurz für wissenserwerb, länger für extra-lektüre, neues ausführlich später knapp, knapp zeigt kompetenz
was ein guter mathtetext ist
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ein text
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zielgruppenorientiert
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kontextualisiert: er formuliert was er will - wie und wo er sich eingebettet usw., auch innerhalb des textes formuliert er was der nächste schritt ist (und unter umständen warum)
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kontextualisiert / nicht-kontextualisiert bzgl. der formeln (zb. erklärung der formeln)
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transprent: an allen stellen ist klar, was gerade getan wird (nicht unbedingt: warum)
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überall gleich schwer
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unterhaltsam
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vollständig
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in latex geschrieben
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neutral
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durchreferenziert - und zwar 'richtig': nicht zuviel, nicht zuwenig
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sachlich (zwingend notwendig!)
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unauffällig
worauf beim schreiben guter texte zu achten ist
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auf die gewichtung von formeln und text
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begriffe darlegen (außer bekannte)
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die vorbereitungen zum beweis sind vorher zu diskutieren und anzukündigen und dann vor dem beweis zu treffen
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unsinnige ankürzungen und doppelte begriffsbelegung vermeiden
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definitionsklarheit
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das starre gerüst der mathematischen texte aufgelockern
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je nach zielgruppe werden formeln nicht nur als zeichenkette dargestellt (für beginner ausschreiben, für fortgeschrittene zeichenkette); kriterium für das funktionieren eines mathematischen textes (!)
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bunte grafiken u.u. einsetzen in lehrbüchern (fördern das leseverständnis, können aber vom wichtigen ablenken, sind zusaätzliches ausdrucksmittel)
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keine wertungen vornehmen: das kriterium für wissenschaftlichkeit ist
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fragen nach anwendbarkeit sind nicht bestandteil der mathematischen texte, die die theorie entwickeln
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inhalte zur diskussion stellen: als anregungen zur weiterarbeit, verbesserungen
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aufpassen, dass die autorin kommt im text nicht vorkommt: angriffsflächen vermeiden
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wir-schreiben als eine einladung nutzen
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erklärungen können interpretationshilfe sein
hier eine txt-datei, wo alle kriterien aus dem live-feature hintereinander weg drin stehen.