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DAS PROJEKTTUTORIUM MATHEMATIK & TEXT IN DER DISKUSSION UM INTERDISZIPLINÄRES LERNEN

Angesichts der in den Medien vielfach gepredigten Interdisziplinarität der universitären Forschung und Lehre scheint es wünschenswert zu sein, den Brückenschlag zwischen Geistes- und Sozialwissenschaften auf der einen und Natur- und Ingenieurswissenschaften auf der anderen Seite zu schaffen. Was diente dazu besser als der Bereich der Philosophie der Wissenschaft? Dieser Bereich bildet die Vorstufe allen wissenschaftlichen Denkens und Arbeitens; nicht umsonst waren die Philosophen der Antike in erster Linie Philosophen, und dann zusätzlich Mathematiker, Politiker, usw. Wissenschaftliche Betätigung impliziert, sich auch auf die Metaebene einzulassen, die eigenen Motive, Zwecke und Methoden der Wissenschaft zu hinterfragen. Nicht nur die Inhalte der Forschung, auch der Forscher selbst ist im Prozess mit eingebunden; auch seine Rolle und Verantwortung gehört definiert.

Gerade in den vermeintlich "neutralen", da kaum normativen Argumenten ausgesetzten und auf Empirie und/oder absoluter Kausalität gründenden Naturwissenschaften, wie auch der Mathematik, sollte es Bestandteil des Studiums sein, solchen Fragestellungen nachzugehen; gerade hier wurde und wird immer wieder auf die ethische Verantwortung des Wissenschaftlers hingewiesen. Während in den Methodenausbildungen der Geistes- und Sozialwissen-schaften derartige theoretische Überlegungen standardmäßig mit einbezogen werden, ist der Schritt zurück, um die eigene wissenschaftliche Disziplin als Ganzes ins Blickfeld zu nehmen, in Natur- oder Ingenieurswissenschaften eine Seltenheit. Dort bleiben wissenschaftsphilosophische Erörterungen zunächst einmal dem privaten Vergnügen des Studierenden überlassen. Dabei sind sie nicht nur notwendig, sondern auch höchst interessant und bereichernd.

Aber gerade Fragen wie "Was ist Wissenschaft?", "Woher kommt Wissenschaft?", "Wozu Wissenschaft?", "Wie betreiben wir Wissenschaft?", "Welche Ursachen, welche Konsequen-zen hat Wissenschaft?", "Welche Rolle hat der Wissenschaftler in der Gesellschaft?" bieten fruchtbaren Boden für den interdisziplinären wissenschaftlichen Dialog.
Auch aus diesen Gründen sollte die Beschäftigung mit der Philosophie der Wissenschaft, insbesondere der Wissenschaftstheorie, als Pflichtinhalt in das Studium aller Fächer aufgenom-men werden. Auch deswegen sind Veranstaltungen wie das Projekttutorium "Mathematik & Text" so begrüßenswert.